Wo am Lebensende Vertrauen wachsen darf

Ulrike Metzler engagiert sich seit 15 Jahren mit Achtsamkeit, Lebenserfahrung und viel Feingefühl ehrenamtlich bei Hospiz Vorarlberg. 

Langeweile kommt bei Ulrike Metzler auch in der Pension nie auf. Die 74-Jährige ist Ehefrau, Mutter und Großmutter und äußerst aktiv: Sie geht gerne auf Reisen, wandern, klettern, Ski fahren, tauchen und macht regelmäßig Yoga. Doch neben all diese Aktivitäten nimmt eine Aufgabe einen ganz besonderen Stellenwert in ihrem Leben ein: Seit mittlerweile 15 Jahren engagiert sich Ulrike Metzler ehrenamtlich bei Hospiz Vorarlberg.

Rund zehn Stunden pro Woche widmet sich die Lustenauerin ihrem Ehrenamt. Sie ist Teil des regionalen Hospizteams in Dornbirn und begleitet Frauen und Männer in ihrer letzten Lebensphase – im Krankenhaus, im Pflegeheim oder zu Hause. Auch im Hospiz am See in Bregenz übernimmt sie regelmäßig Dienste. Gemeinsam mit vier anderen Frauen engagiert sie sich außerdem im Trauertreff in Dornbirn, um Menschen in ihrer Trauer Raum, Zeit und Unterstützung zu geben. Alle zwei Wochen ist sie darüber hinaus einen Vormittag im Pflegeheim in Dornbirn im Einsatz. Dort holt sie Bewohner*innen in ihrem Zimmer ab und begleitet sie zur Messfeier in die Kapelle.

Der Wunsch, mit Menschen zu arbeiten, begleitet Ulrike Metzler schon ein Leben lang. Ursprünglich wollte sie Krankenschwester werden, doch das Leben nahm einen anderen Lauf. Sie heiratete jung, bekam Kinder und arbeitete im familieneigenen Textilunternehmen mit. „Hier habe ich viel gestickt und im Büro gearbeitet. Wenn Kunden aus Afrika da waren, habe ich auch Chauffeurdienste übernommen“, erinnert sich die 74-Jährige mit einem Lächeln zurück. 

Die Arbeit von Hospiz Vorarlberg erweckte schon damals ihr Interesse. „Ich habe immer wieder Prospekte beiseitegelegt.“ Mit Eintritt in die Pension war dann der Zeitpunkt gekommen, ihren Wunsch nach einer sozialen Tätigkeit in die Tat umzusetzen. Sie startete den Befähigungskurs für ehrenamtliche Hospizbegleitung, wo neben den fachlichen Grundlagen auch den persönlichen Erfahrungen viel Raum eingeräumt wurden. Bei einem Praktikum beim Krankenpflegeverein konnte Ulrike Metzler erste Erfahrungen in der Begleitung sammeln. Rückblickend betont sie, wie wichtig diese fundierte Vorbereitung für die Aufgabe als ehrenamtliche Hospizbegleiterin war.

Wertvolle Gespräche 
Im Zentrum ihrer Tätigkeit steht der Aufbau von Vertrauen. „Wenn dies gelingt, entstehen sehr wertvolle Gespräche über Erinnerungen, Ängste und Unerledigtes“, sagt Ulrike Metzler die den Menschen dabei als neutrale Person begegnet. „Viele schätzen es mit jemandem sprechen zu können, der nicht Teil der Familie ist und nicht bewertet.“ 

Gerade bei Menschen mit Demenz kann die 74-Jährige auch mit Ablehnung konfrontiert sein. „Wenn ich an eine Tür klopfe, weiß ich nie, wie ich empfangen werde.“ Manchmal wird sie freundlich begrüßt, manchmal sind die Menschen eher skeptisch. Dabei kann es durchaus auch vorkommen, dass sie am nächsten Tag nicht mehr wiedererkannt wird. Mit viel Geduld und ohne Erwartungen versucht sie dann, immer neu einen Zugang zu dem Menschen zu finden: „Häufig gelingt das über vertraute Themen wie Familie oder Alltag.“ 

Achtsamkeit, Zurückhaltung und Respekt vor der Freiheit des anderen spielen in der Hospizarbeit eine große Rolle. So wird eine Hand nicht einfach ergriffen, sondern die eigene Hand behutsam unter die Hand des Gastes gelegt. „Dadurch kann die Person selbst entscheiden, ob sie diese Nähe annehmen möchte“, erklärt die ehrenamtliche Hospiz-Begleiterin. 

Ulrike Metzler ist auch für Angehörige da. „Ein Gespräch, das Angebot eines Kaffees, ein Moment des Innehaltens kann entlastend wirken“, weiß die empathische Frau auch aus eigener Erfahrung. Sie hat selbst schwere Verluste im familiären Umfeld erlebt und bringt daher ein tiefes Verständnis für Trauernde mit.

Interessierten, die überlegen, sich im Hospiz zu engagieren, macht Ulrike Metzler Mut. „Es gibt ein sehr breites Spektrum an Aufgaben“, sagt sie, „und niemand muss überall perfekt sein.“ Jede und jeder könne jene Fähigkeiten einbringen, die am besten zu den eigenen Talenten passen. Was es für diese Aufgabe braucht, fasst sie schlicht zusammen: Achtsamkeit und Empathie.

Info: Speziell für Dornbirn, Lustenau, Hohenems, Schwarzach werden dringend Ehrenamtliche gesucht. Der nächste Befähigungskurs für ehrenamtliche Hospizbegleiter*innen startet im September. Kontakt: hospiz(at)caritas.at  

Steckbrief Ulrike Metzler:

Geboren: 1951 in Dornbirn

Familie: verheiratet, 2 Kinder, 3 Enkelkinder (4. ist unterwegs)

Wohnort: Lustenau

Hobbys: Wandern, Yoga, Klettern, Tauchen,..

Lieblingsmotto: „Nutze die Talente, die du hast. Die Wälder wären sehr still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen.“