Wir schlagen Alarm: Die soziale Krise im Land verschärft sich massiv. Fehlender leistbarer Wohnraum, anhaltende Teuerung und immer komplexere Problemlagen der Betroffenen bringen die bestehenden Hilfssysteme an ihre Grenzen.
„Wir sind an der Grenze der Belastbarkeit angekommen. Wir arbeiten rund um die Uhr, aber die Anfragen überrollen uns. Wenn wir jetzt nicht mehr Personal bekommen, dann werden Menschen wieder auf der Straße schlafen.“, sagt Caritasdirektor Ernst Sandriesser.
Kompetenzzentrum unter Dauerüberlastung
Wir haben in Klagenfurt mit dem Eggerheim ein Kompetenzzentrum für Wohnungslosenhilfe, Sozialberatung, Mittelverwaltung, Meldeadresse, Essen und Kleidung - alles unter einem Dach. „Das ist ein sehr effizientes Modell, für das uns viele in Österreich beneiden. In anderen Städten gibt es dafür drei verschiedene Einrichtungen, die wesentlich teurer sind. Die Zahl der Menschen, die zu uns kommen, ist seit 2024 allerdings so dramatisch angestiegen, dass wir so nicht mehr weiter arbeiten können, obwohl wir es gewohnt sind, ständig mit begrenzten Ressourcen zu arbeiten. Aber was wir jetzt erleben, sprengt alles Bisherige. Wir haben gehofft, dass sich die Situation nach dem Winter entspannen wird. Das ist leider nicht eingetreten. Zugegeben, die Wohnbeihilfe NEU ist gut und wirkt. Aber nur für Menschen, die eine Wohnung haben. Viele Menschen haben eine Zusage, aber warten sechs bis neun Monate bei uns in der Notschlafstelle bis die Wohnung frei wird. Für diese Zeit brauchen wir Platz und Personal, wo wir die Menschen unterbringen und betreuen können“, bringt es Sandriesser auf den Punkt. „Deshalb ist es für mich unverständlich, warum wir in dieser Situation alleine gelassen werden.“
Wer wird sich um die Menschen kümmern?
Die angespannte Lage wird, wenn nicht rasch gehandelt wird, uns zu schmerzhaften Entscheidungen zwingen. „So bitter es ist: Wir werden unsere Hilfe entsprechend der verfügbaren Ressourcen überprüfen müssen und wenn wir nicht mehr können, dann frage ich mich, wer wird sich um die Menschen dann kümmern?“, so Sandriesser. „Diese Entwicklung bereitet uns große Sorgen, denn jede gekürzte Maßnahme bedeutet weniger Schutz und weniger Stabilität für Menschen in existenzieller Not.“
Zunehmende Gewalt gegen obdachlose Menschen alarmiert
Besonders alarmierend ist eine Entwicklung, die wir auch in Kärnten immer häufiger wahrnehmen: Die Gewaltbereitschaft gegenüber obdachlosen und armutsgefährdeten Menschen sowie gegenüber Mitarbeiter*innen nimmt spürbar zu.
„Leider werden immer wieder obdachlose Menschen auf der Straße angegriffen. Zuletzt hatten wir auch Angriffe auf unser Eggerheim. Steine sind über die Mauer geflogen und hätten eine Sozialarbeiterin beinahe schwer verletzt“, sagt Sandriesser.